Jahresbericht 2001
UNSER JAHR 2001
von Sonja Draxler
Liebe Freunde der EG Solar e.V.,
das Jahr 2001 sah uns voll Trauer und Entsetzen und wir wurden uns der Ohnmacht gegenüber den Terroranschlägen bewusst, die unendliches Leid über viele Menschen brachten.
Um so mehr sollten wir uns über friedensbringende Entwicklungen freuen und über Fortschritte, die die Lebensqualität verbessern. Wir wollen auch die kleinen Erfolge erkennen, die sich mittlerweile nach vielen Jahren des Engagements unserer Freunde und Förderer einstellen. Unser Dank gilt deshalb all denen, die unsere Arbeit nicht nur durch Geldzuwendungen sondern auch durch Interesse und großes persönlichen Engagement ermöglichen.
Hans Michlbauer, 1. Vorsitzender
I UNSERE PARTNERLÄNDER
Unsere vielen Projekte sollten Ihnen durch unsere regelmäßigen Jahresberichte bestens bekannt sein. Wir können nicht auf jedes einzelne eingehen, möchten Ihnen aber einige etwas detaillierter beschreiben.
Sie können gezielt für ein Projekt spenden, wenn Sie die fett gedruckten Begriffe als Verwendungszweck bei Ihrer Überweisung angeben. Herzlichen Dank!
Afghanistan – In der pakistanischen Grenzstadt Peshawar gibt es seit 1999 eine „Garagen“-Werkstatt auf sog. gesetzlosen Gebiet, in der unsere Solarkocher gebaut werden. Der Solarkocher wird bereits bei Großfamilien in Flüchtlingscamps in Peshawar (s. umseitiges Foto) und auch im Chak-E-Wardak-Hospital in Afghanistan eingesetzt. Die Nachfrage nach Kochern ist sehr groß und wir möchten Ihnen dieses Projekt besonders ans Herz legen. Die Ereignisse seit dem 11. September und die daran anschließenden Kriegswirren haben sicherlich auch Sie persönlich bewegt.
Burkina Faso – gehört zu den ärmsten Ländern der Erde und liegt in der Sahelzone. Seit Jahren werden in der Hauptstadt Ouagadougou unsere Solarkocher gebaut. Die zweite Werkstatt, die in Nouna geplant ist, benötigt dringend noch eine Restfinanzierung.
Ghana – Entgegen der ursprünglichen Planung für einen Solarkocherbau vor Ort wurden keine Werkzeuge und Reflektorbleche geliefert. Kingsley Addy, der Initiator dieses Projektes, hat nunmehr 100 K-Solarkocher (made in Germany) nach Accra auf den Weg gebracht. Bevor eine Investition in Maschinen und Geräte erfolgen soll, möchte er erst die Akzeptanz des Kochers vor Ort testen. Die neue Regierung steht positiv der Nutzung regenerativer Energien gegenüber und es existieren bereits Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten. Die Projektplanung sieht die Anstellung von 2 Frauen und 2 Männern vor, die die Vermarktung und Einweisung vornehmen sollen. Indem nun bereits „fertige“ Kocher zur Verfügung stehen, brauchen keine Lieferengpässe befürchtet zu werden.
Haiti – Bitterarmes aber „sonnenreiches“ Land! Unsere Mitglieder Jean-Louis Romane und Edmund Welcker engagieren sich hier für eine erste Solarkocherwerkstatt. Eine Schule in Jacmel hat einen Werkraum zur Verfügung gestellt. Dort soll eine Ausbildungswerkstatt entstehen, in der Schülern durch die SK-Fertigung Grundkenntnisse der Metallbearbeitung vermittelt werden. Für die Werkstattausrüstung hat das Duo bereits erfolgreich gesammelt. „Sobald wir die Mittel für das erste Baumaterialkontingent zusammen haben, kann es dort losgehen; unsere Partner warten ungeduldig darauf“, so Jean-Louis, der sich demnächst für einige Monate von seiner Arbeit in Deutschland beurlauben lassen möchte, um das Projekt in seinem Heimatland zum Laufen zu bringen.
Mauretanien – Den größten Teil dieses Landes im Nordwesten Afrikas bedecken die Sand- und Geröllwüsten der Sahara. Es gibt nahezu keine Bäume mehr, denn diese vermochten den vielen regenlosen Jahren nicht standzuhalten und das übrige besorgten die Brennholz suchenden Nomaden. Wir freuen uns, dass wir im Herbst d. J. eine Werkstattausrüstung und Reflektorbleche für 50 Solarkocher in die Hauptstadt Nouakchott an UNICEF liefern konnten. 50 Solarkocher sind jedoch nur der berühmte Tropfen auf den wahrlich heißen Stein!
Namibia – Die neue Solarkocherwerkstatt an der High School in Döbra war nach der Versetzung des Werkstattleiters verwaist und durch ständig wechselndes Personal scheiterte eine reibungslose Fertigung der Kocher durch die Schüler. Daraufhin forderte die Schulleitung beim Senioren Experten Service in Bonn Hilfe an, worauf unser Mitglied Karl Wittmann im Auftrag des SES zwei Monate vor Ort war. Er bildete Stammpersonal aus (derzeit 5 Einheimische), die nun in der Lage sind, selbständig nach Plänen zu fertigen und zu montieren.
Nepal – Unser langjähriger Freund Karl Kölle hat mit Vajra Foundation Nepal/Holland eine Solarkocherwerkstatt in einem Lager für Flüchtlinge aus Bhutan initiiert (Bhutanese Refugee Camp Beldangi-I Jhapa). Wir konnten dank großzügiger Spenden im März d. J. Reflektoren für 100 Kocher zur Verfügung stellen und damit das Hilfsprogramm „anschieben“. Der letzte Bericht sagte uns, dass ca. 3.000 Menschen an den Solarkochern partizipieren und dass noch viele auf einer sog. Warteliste stehen. Es wurden Familien mit mehr als 4 Mitgliedern bevorzugt und mit je einem Kocher, 3 schwarz angemalten Töpfen und einem Warmhaltekorb ausgestattet.
Sansibar – Was lange währt, wird endlich gut! Für die 18 Monate zuvor vom Bayernwerk (heute E.ON) vergebenen Mittel aus der Aktion „Zukunftspfennig“ konnten im November Solarkocher und Werkzeuge nach Sansibar verschifft werden. Das Genehmigungsverfahren für die Einrichtung einer Werkstatt wurde nun nach langem Warten positiv durch die Commission for Natural Resources entschieden.
Simbabwe – Im Jahr 2001 hat sich das Einkommen schaffende Projekt der Erzdiözese Bulawayo zur Unterstützung der Aids-Waisen in den 35 Pfarreien wieder gefestigt. In diesem Jahr wurden ca. 20 SK14 pro Monat hergestellt und verkauft. Falls der simbabwische Zoll niedrige Einfuhrzölle gestattet, soll in nächster Zeit eine höhere Anzahl der Kocher K10 und K14 im-portiert werden. Verhandlungen mit den Zollbehörden in Simbabwe sowie Gespräche über eine Förderung des Solarkocher-Projekts durch potentielle Spenden über das Bundesentwicklungshilfe-Ministerium in Berlin sind im Gang. Eine Bestellung von weiteren 200 Satz Reflektorblechen im November 2001 stellte die weitere Produktion in der Werkstatt in Bulawayo sicher.
Südafrika – Die GTZ verlängert ihre Pilotstudie bis zum März 2002 mit der zweiten Programmphase. Wir haben in diesem Jahr weitere 95 iZola-Kocher speziell für Südafrika gefertigt und ein Auftrag über zusätzliche 50 Stück liegt vor. Die erste Programmphase - der Akzeptanztest - brachte ein bemerkenswertes Ergebnis: In 66 Familien und 14 Institutionen (Schulen, Kindergärten) wurde in drei unterschiedlich strukturierten An-siedlungen mit der Sonne gekocht und eine hohe soziale Akzeptanz für solares Kochen bei den Testnutzern festgestellt, das bedeutet 40 % aller im Verlaufe eines Jahres gekochten Mahlzeiten wurden mit Solarkochern zubereitet!
Uganda – Nach einem Jahr Pause waren wieder 9 Jugendliche mit zwei Betreuern aus dem Bereich des Sports und der Berufsschule Altötting bei den Straßenkindern in Nsumba. Dabei wurden folgende Ziele verfolgt: Überprüfung der Kocherwerkstatt, Installation von Photovoltaikanlagen, Start einer Solarlampen-Produktion mit der Solarlampe aus Freilassing, Gruppenleiterausbildung in Sachen Sport und – ganz besonders wichtig – die Einrichtung und Organisation einer ständig betreuten Erste-Hilfe-Station für die derzeit rund 300 Kinder im Camp. Dieses gemeinsame Projekt der Deutschen Sportjugend, der Bayerischen Sportjugend, der DJK Regensburg und der EG SOLAR wirkt inzwischen im 12. Jahr und wurde heuer u. a. von der „Aktion Sternstunden“ aber auch von der Franz-Becken-bauer-Stiftung großzügig unterstützt.
II INLAND
Reflektorbleche für den Bau von Solarkochern SK 14 haben wir wieder
in großen Mengen weltweit versandt. Wir lieferten zu Werkstätten in Nicaragua
und Brasilien, in Madagaskar und Indien, in Mexiko und Argentinien, in Burkina
Faso etc..
Es gingen auch Bestellungen über große Mengen K-Kocher ein und wir schickten den neuen Kochertyp nach Uganda, Sansibar, Peru, Ghana, über die Deutsche Botschaft in Ankara in die Türkei, nach Simbabwe, Costa Rica, Kenia etc..
Unsere Produkte gingen nach Korea, Indonesien, Sri Lanka, Togo, Chile, Japan, in den Senegal, auf die Kapverdischen Inseln, in die USA und in nahezu jedes europäische Land. Das Kochen mit der Sonne gewinnt mehr und mehr Freunde!!!
Einen großen Teil unserer Aktivitäten konnten wir durch Spendengelder finanzieren und wir möchten uns herzlich bedanken. Zugunsten unseres Solarkocherprojektes wurde auf Geburtstagsgeschenke verzichtet, in Schulen sammelte man Flaschenpfand oder verkaufte in den Pausen Kräuterbutterbrote (mit Kräutern aus dem Schulgarten), die ansonsten angefallenen Kosten für Firmen - Weihnachtsaktionen wurden in Spenden verwandelt, sportliche Aktivitäten wurden gesponsert und kamen dem Solarkocher zugute. Dem Ideenreichtum waren keine Grenzen gesetzt.
Öffentlichkeitsarbeit - Berichte in Zeitungen und Zeitschriften und unsere Präsenz auf Messen (Intersolar in Freiburg, SolarEnergy in Berlin, Solarparade in München, Münchener Handwerksmesse sowie viele kleine Ausstellungen und Vorführungen) brachten wieder einen guten Rücklauf.
Dank und Anerkennung gilt Herrn Dr. Dieter Seifert, dem Erfinder unseres Parabol-Solarkochers. Ihm wurde in diesem Jahr für sein Solarkocher-Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Unser solares Kühlsystem ist mittlerweile in 8 Ländern im Einsatz. Die letzten Systeme wurden zu einem Krankenhaus in Tansania, einer Sanitätsstation in den Jemen und nach Angola verschickt.
In Moshi/Tansania wurde von der Hilfsorganisation „Christoffel Blindenmission“ unsere Kühlbox im zweitgrößten Krankenhaus des Landes erfolgreich getestet. Der Abschlußbericht wurde vor kurzem fertiggestellt und kann auf CD für €10,00 erworben werden.
Die
Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München hat im Auftrag des
Bayerischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Technologie unser Kühlsystem
mit einem herkömmlichen Kühlgerät auf Photovoltaik-Basis verglichen und
festgestellt, dass unser System dem Photovoltaikkühlschrank hinsichtlich
Energieverbrauch, Kosten, Umweltverträglichkeit, Handhabung, Reparatur und
Wartung bedeutend überlegen ist. Die Studie der Forschungsstelle steht im
Internet unter
zum Download bereit.
Aufgrund der positiven Ergebnisse und der großen Nachfrage haben wir uns entschlossen, auf Basis des zur Serienreife entwickelten mobilen Medikamenten- und Impfstoffkühlsystems ein stationäres bzw. mobiles Kühlsystem für Lebensmittel zu entwickeln. Im September d. J. haben wir dafür vom Bayerischen Wirtschaftsministerium eine weitere Förderung für einen Zeitraum von 2 Jahren erhalten. Allerdings wurde die beantragte Fördersumme von DM 1,4 Mio auf DM 550.000 gekürzt. Des weiteren muss die EG SOLAR 50 % der Fördersumme selbst finanzieren. Wir bitten Sie um finanzielle Unterstützung, damit das Projekt erfolgreich durchgeführt werden kann. Spenden Sie bitte unter dem Kennwort „Solares Kühlen“.
Neuheiten sind in unserer Produktpalette aufgeführt. Der K-Kocher (made in Germany) wurde in diesem Jahresbericht schon mehrmals erwähnt. Es gibt den K 10 (1,00 m Durchmesser) und den K 14 (1,40 m Durchmesser) und beide wurden in erster Linie für den Einsatz in Krisengebieten entwickelt. Die Bauteile der K-Kocher sind in verzinkte Blechtafeln gestanzt, sie können einfach der farbigen Bildanleitung entsprechend herausgebrochen, entgratet und montiert werden. Eine Verpackungseinheit eines Bausatzes enthält sämtliche Teile, Verbindungselemente, Reflektorbleche, Montage- und Bedienungsanleitung, Montagewerkzeuge und ein Kochbuch in fünf Sprachen. Die Solarkocher sind in kurzen Lieferzeiten in sehr großen Stückzahlen lieferbar. Besonders interessant ist die Mengenpreis-Staffelung.
Wir haben zudem ein alternatives Blechmaterial mit dem Namen Sunbright in unserem Sortiment. Das blank gewalzte Aluminiumblech ist mit einer Schutzschicht überzogen und wurde unter aggressiven Umweltbedingungen getestet (extrem salzhaltige Luft, starke chemische Luftverunreinigungen etc.). Die guten Testergebnisse rechtfertigen den etwas höheren Preis für dieses Reflektormaterial.
Von der Solarprojektgruppe Freilassing haben wir die Solarlampe Solar 2000 in die Produktpalette mit aufgenommen. Auch das Einführungskonzept der Freilassinger ist so überzeugend, dass wir es kopiert haben. Die Lampen sollen in Selbsthilfewerkstätten vor Ort montiert und gewartet werden. Bei der Verwendung von Ladestationen (Solar 2001) für jeweils bis zu 10 Lampen bietet sich ein Verleihsystem an, das es den Lampennutzern ermöglicht, die Lampen über eine kleine Aufladegebühr in Raten zu erwerben.
Die in Kyoto vereinbarten Mechanismen zur CO2-Verminderung sind in den Klimakonferenzen in Bonn und Marrakesch vorangebracht, aber leider immer noch nicht praktisch umgesetzt worden. Ein Grund für uns die erfolgreiche CO2-Spendenaktion weiterzuführen. Für Ihre Überweisung unter dem Stichwort „CO2-Spende“ erhalten Sie nicht nur eine steuerlich abzugsfähige Zuwendungsbescheinigung, sondern auch noch ein EG-SOLAR CO2-Zertifikat. Bitte beachten Sie: mit 2,50 Euro investiert in Solarkochern kann eine Tonne CO2 eingespart werden. Durch Ihre Spenden können bisher ca. 4000 t/Jahr an CO2 eingespart werden. Ein Bundesbürger verursacht ca. 12 t/Jahr.
Soeben
haben wir erfahren, dass wir einer der Preisträger der diesjährigen Ford
Motor Conservation and Environmental Grants sind. Näheres hierzu unter
.
· EG-SOLAR e.V. · Neuöttinger Str. 64c · D-84503 Altötting · Tel: ++49 / (0) 86 71 / 96 99 37 · Fax: ++49 / (0) 86 71 / 96 99 38 ·
· E-Mail: [email protected] · Internet: www.eg-solar.de ·
· Spendenkonto: Kreissparkasse Altötting, BLZ 71051010, Konto-Nr. 49338 ·
· IBAN 47 7105 1010 0000 049 338 · SWIFT-BIC: BYLADEM1AOE ·